Ludwigsburg, 21. Oktober 2025 – Der Ludwigsburger Innenstadtverein (LUIS) hat Kritik an den aktuellen Planungen zur Stadtbahn geäußert. In einer ausführlichen und detaillierten Stellungnahme weist der Verein auf offene Fragen hin und räumt Missverständnisse auf – unter anderem über die Bezeichnung „Stadtbahn“, die LUIS als irreführend empfindet. Korrekt sei vielmehr von einem „schienengebundenen ÖPNV, der durch die Randbezirke Ludwigsburgs geführt wird“ zu sprechen.
Derzeit gibt es zwei Trassenvorschläge, die in den kommenden Wochen im Gemeinderat beraten werden:
- Reaktivierungstrasse: von Markgröningen über Möglingen nach Ludwigsburg.
- Fortführungstrasse: über die Kepplerbrücke und Friedrichstraße bis nach Pattonville.
Eine ursprünglich geplante Trasse durch die Leonberger Straße ist nicht umsetzbar; Alternativen, wie beispielsweise ein Innenstadtast, stehen aktuell, im Gegensatz zu vielen Gerüchten, nicht zur Abstimmung.
„Unsere Mitglieder, vor allem natürlich die zentralen gelegenen Akteure, fragen uns regelmäßig besorgt, wie lange die Innenstadt unter einer solch großen Baumaßnahme leiden müsste und wie viele Jahre dafür eingeplant sind“, erklärt Citymanager Markus Fischer. Viele Bürgerinnen und Bürger seien in Gesprächen überrascht, dass es keinen politischen Beschluss für eine zentrale Achse, etwa durch die Wilhelmstraße, gibt. „Die geplante Bahn umgeht die Innenstadt in weitem Bogen. Eine klassische Stadtbahn für Ludwigsburg, die ihren Namen verdient, ist momentan überhaupt kein Bestandteil politischer Debatten. Wir wundern uns immer wieder, wie viele Menschen davon ausgehen, dass diese Bahn beispielsweise durch die Wilhelmstraße fahren soll. Diesbezüglich gab es noch nie einen politischen Beschluss!“
Inhaltlich geht LUIS in seiner Stellungnahme unter anderem auf den aktuellen Busverkehr und den Nutzen-Kosten-Index der Stadtbahn ein.
Reaktivierungstrasse
Der Verein nimmt hier keine inhaltliche Position ein, da die Innenstadt nicht direkt betroffen ist. Er zeigt jedoch offene Fragen auf. Diese gibt es sowohl bei der Finanzierung als auch beim Endhalt der Strecke: Der Zweckverband favorisiert einen Endhalt in der Pflugfelder Straße, die Stadt Ludwigsburg möchte hingegen eine Einfahrt in den Bahnhof. Bei den Finanzen gibt es auch noch Fragen, welche der Verein darlegt. So hat die Stadtverwaltung Ludwigsburg seit 2022 bereits 4,6 Millionen Euro in den Zweckverband investiert und plant weitere gut 15 Millionen Euro für die nächsten fünf Jahre für die Stadtbahn ein. LUIS weist auf Diskrepanzen zu den Aussagen von Landrat Allgaier hin, der eine Kostenbeteiligung von nur 5 Millionen Euro für Ludwigsburg angekündigt hat. Fischer: „Niemand konnte uns genau sagen, ob die 20 Millionen Euro auch für eine mögliche Fortführung gedacht wären, ob diese für zusätzliche Kosten eingeplant sind oder eine Art Vorschuss darstellen, welcher zurückgezahlt werden kann. Wir gehen jedoch davon aus, dass diese Fragen im Gemeinderat noch geklärt werden.“ Weitere offene Fragen betreffen laut dem Verein Themen wie Lärmschutz-, Umweltverträglichkeitsgutachten, Rechts- und Pachtkosten, Standort und Kosten für einen Betriebshof, Kosten für Züge und Leitungen unter den Trassen und auch Betriebskosten bei einem 15-Minuten-Takt. Alles erwartbare Mehrkosten, welche in ihrem Ausmaß noch offen sind, ebenso ist offen, ob diese förderfähig wären.
Fortführung über Kepplerbrücke und Friedrichstraße
Hier positioniert sich LUIS klar: Der Verein fordert einen sofortigen Stopp der Planungen für diese Trasse. Grund sind unter anderem die geplanten Mischverkehrsabschnitte, die jahrelange Bauzeit und die erwarteten verkehrlichen Konflikte. In der Friedrichstraße fahren derzeit über 30.000 Fahrzeuge täglich. LUIS warnt vor massivem Ausweichverkehr über benachbarte Straßen und vor allem durch die Wilhelmstraße und somit durch die Innenstadt. Auch die Kosten für diesen Abschnitt werden kritisiert: Für diese Trasse hat der Zweckverband Gesamtkosten von 356 Millionen Euro angegeben. Trotz Fördermittel verbleiben 26 Millionen Euro für Ludwigsburg und 51 Millionen Euro für den Landkreis. Zudem sind Kostensteigerungen von bis zu 30 % möglich und auch hier sind noch die weiteren vom Verein aufgeführte Kostenfaktoren offen. „Die finanzielle Belastung für die Stadt Ludwigsburg in Verbindung mit einer konfliktbeladenen Trassenführung ist in der aktuellen wirtschaftlichen Situation nicht vermittelbar“, so Fischer.
Alternative Vorschläge
LUIS schlägt vor, die Mittel stattdessen in konkrete, kurzfristig wirksame Maßnahmen zu investieren: Ausbau des Busverkehrs, sichere Fahrradverbindungen und Entlastung der Wilhelm- und Myliusstraße vom Durchgangsverkehr.
„Ludwigsburg braucht greifbare Verbesserungen, die den Bürgerinnen und Bürgern heute helfen – nicht millionenschwere Verkehrsversuche mit einer Bahn, die ihrem Namen nicht gerecht wird“, fasst Markus Fischer zusammen.
Hier können Sie auf die detaillierte Stellungnahme zugreifen.


